Ratgeber
Was ist 7-OH (7-Hydroxymitragynin)? Wirkung, Risiken, Rechtslage
7-OH ist das Kratom-Thema der letzten zwei Jahre. Tabletten, Liquids und Strips mit angereichertem 7-Hydroxymitragynin werden offensiv beworben – und von Behörden mit Sorge beobachtet.
Ein Spurenstoff wird zum Produkt
7-Hydroxymitragynin, kurz 7-OH, ist eines der Alkaloide im Kratom-Blatt. Im natürlichen Blatt ist es kaum vorhanden: Laut der US-Arzneimittelbehörde FDA macht es weniger als zwei Prozent aller Alkaloide aus, typischerweise 0,01 bis 0,04 Prozent des Trockengewichts. Ein Gramm Blattpulver enthält also grob 0,1 bis 0,4 Milligramm 7-OH.
Zum Vergleich: Im Handel werden Tabletten mit 15 oder 20 Milligramm 7-OH pro Stück angeboten. Eine solche Tablette enthält damit so viel 7-OH wie, grob gerechnet, 40 bis 200 Gramm Blattpulver.
Wie konzentrierte 7-OH-Produkte entstehen
Aus dem Blatt lässt sich 7-OH wegen der winzigen Mengen nicht wirtschaftlich gewinnen. Die FDA geht davon aus, dass die konzentrierten Produkte überwiegend halbsynthetisch hergestellt werden: Aus isoliertem Mitragynin wird durch chemische Oxidation 7-OH erzeugt. Fachleute sprechen deshalb von „semi-synthetischen“ 7-OH-Produkten (Smith et al., 2025).
Warum 7-OH anders zu bewerten ist
- Stärkere Wirkung am Opioidrezeptor. 7-OH bindet deutlich fester an den μ-Opioidrezeptor als Mitragynin und auch als Morphin.
- Atemdämpfung. In präklinischen Untersuchungen dämpfte 7-OH die Atmung mehr als dreimal so stark wie Morphin.
- Abhängigkeitspotenzial. Versuchstiere verabreichen sich 7-OH selbst, was bei Mitragynin nicht beobachtet wurde. 7-OH verursacht körperliche Abhängigkeit und die für Opioide typischen Entzugserscheinungen.
Kurz: Was für das Blatt beschrieben wird, lässt sich auf konzentriertes 7-OH nicht übertragen.
Was Behörden tun
USA. Die FDA hat im Juli 2025 empfohlen, konzentrierte 7-OH-Produkte in die strengste Kategorie (Schedule I) des US-Betäubungsmittelrechts aufzunehmen – ausdrücklich nicht das natürliche Blatt. Im Juli 2026 kündigte die DEA an, 7-OH oberhalb eines Grenzwerts vorläufig zu verbieten: bei Pflanzenmaterial ab 0,05 Prozent 7-OH, bei Extrakten, Tabletten und ähnlichen Produkten ab 0,05 Prozent oder ab 1 Milligramm pro Stück. Die Kommentierungsfrist lief bis 10. September 2026; eine endgültige Anordnung für 7-OH war bei Redaktionsschluss (3. 10. 2026) noch nicht veröffentlicht.
Schweiz. 7-OH und Mitragynin sind seit 1. Oktober 2017 Betäubungsmittel.
EU. In Frankreich, Irland, Rumänien, Lettland, Estland, Dänemark und Portugal ist 7-OH zusammen mit Kratom kontrolliert. Ein eigenes Verbot nur für 7-OH gibt es in der EU bisher nicht. Tschechien erlaubt in reguliertem Kratom höchstens 0,1 Prozent 7-OH.
Deutschland. 7-OH steht nicht im BtMG und nicht im NpSG. Als Lebensmittel oder Arzneimittel ist es nicht zugelassen.
Woran Sie 7-OH-Produkte erkennen
Produkte mit angereichertem 7-OH werden meist mit einer Milligrammangabe pro Tablette, Strip oder Milliliter verkauft. Bezeichnungen wie „7-OH“, „7-Hydroxy“ oder „Mitragynin-Booster“ deuten darauf hin. Ein seriöser Anbieter nennt den Gehalt klar und weist auf die Wirkstärke hin.
Wichtig: 7-OH wirkt wie ein Opioid. Die Kombination mit Alkohol, Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln oder anderen Opioiden kann die Atmung lebensgefährlich dämpfen. Bei Atemproblemen oder Bewusstlosigkeit sofort den Notruf 112 wählen.