Ratgeber
Kratom Nebenwirkungen und Risiken: Was Behörden und Studien sagen
Kratom ist kein harmloses Kraut. Wer es verwendet, sollte die Risiken kennen – und zwar aus belastbaren Quellen, nicht aus Foren.
Abhängigkeit
Kratom wirkt am Opioidrezeptor, und regelmäßiger Gebrauch kann abhängig machen. Eine Studie aus Malaysia mit 293 regelmäßigen Nutzern (Singh et al., 2014) fand bei mehr als der Hälfte eine schwere und bei 45 Prozent eine mittelschwere Abhängigkeit. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt den Entzug als in der Regel milder als nach Morphin. Mehr dazu im Artikel Kratom-Entzug.
Leber
Eine Übersichtsarbeit (Schimmel & Dart, 2020) wertete 26 veröffentlichte Fallberichte, 7 Fälle eines US-Registers für arzneimittelbedingte Leberschäden und 25 Meldungen in FDA-Datenbanken aus. Typisch war ein Beginn nach etwa drei Wochen Gebrauch (2 bis 49 Tage) mit Gelbsucht, Juckreiz und dunklem Urin. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Kratom wahrscheinlich Leberschäden verursachen kann, auch wenn die Beweislage dünn ist.
Warnzeichen: Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin, heller Stuhl, starker Juckreiz. Dann ärztlich abklären lassen.
Weitere beschriebene Gesundheitsschäden
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt aus Fallberichten unter anderem Nieren- und Leberschäden bis zum Multiorganversagen, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Verwirrtheit, Halluzinationen und Muskelzerfall (Rhabdomyolyse). Das BfArM verweist zusätzlich auf Berichte über Todesfälle, deren genaue Ursachen untersucht werden.
Todesfälle und Mischkonsum
Die US-Gesundheitsbehörde CDC wertete 27.338 Todesfälle durch Überdosis aus den Jahren 2016 und 2017 aus. In 152 Fällen war Kratom nachweisbar, nur in sieben Fällen war es die einzige gefundene Substanz. Fast immer waren andere Stoffe beteiligt: Fentanyl (65 Prozent), Heroin (33 Prozent), Benzodiazepine (22 Prozent), verschreibungspflichtige Opioide (20 Prozent) und Kokain (18 Prozent). Auch die WHO hält fest, dass nahezu alle Todesfälle Mischkonsum betrafen. In Deutschland wurde 2024 erstmals ein Todesfall im Zusammenhang mit Kratom wissenschaftlich beschrieben.
Die wichtigste Botschaft aus diesen Daten: Kratom nicht mit Alkohol, Beruhigungs- und Schlafmitteln, Opioiden oder anderen Drogen kombinieren. Details im Artikel Wechselwirkungen.
Verunreinigungen
- Salmonellen: 2018 erkrankten in den USA 199 Menschen in 41 Bundesstaaten an Salmonellen, die mit Kratom-Produkten in Verbindung gebracht wurden; 38 Prozent mussten ins Krankenhaus.
- Schwermetalle: Die FDA fand 2019 in 30 getesteten Kratom-Produkten Blei und Nickel in Mengen, die bei langfristigem Gebrauch gesundheitlich bedenklich sind.
- Beimischungen: Die EU-Drogenagentur berichtet von Produkten, denen andere Wirkstoffe beigemischt waren – etwa „Krypton“ mit dem Opioid O-Desmethyltramadol, das in Schweden mit Todesfällen in Verbindung gebracht wurde.
Gegen Verunreinigungen hilft nur eine gründliche Laborprüfung. Wie Sie eine solche Analyse lesen, steht unter Laboranalyse lesen.
Schwangerschaft
Die FDA berichtet über Entzugserscheinungen bei Neugeborenen, deren Mütter in der Schwangerschaft Kratom verwendet hatten.
Wer besonders vorsichtig sein sollte
- Menschen, die Medikamente einnehmen – besonders Opioide, Benzodiazepine, Antidepressiva oder Mittel, die über das Leberenzym CYP3A4 abgebaut werden.
- Menschen mit Leber- oder Nierenerkrankungen.
- Menschen mit einer Suchterkrankung in der Vorgeschichte.
- Schwangere und Stillende.
- Wer Auto fährt oder Maschinen bedient.
Hilfe und Beratung erhalten Sie anonym und rund um die Uhr bei der Sucht & Drogen Hotline: 01806 313031 (0,20 € pro Anruf). Im Notfall: 112.
Häufige Fragen
Kratom-Nebenwirkungen bei Langzeit-Gebrauch?
Bei regelmäßigem Gebrauch über längere Zeit steht die Abhängigkeit im Vordergrund: In einer Studie mit 293 regelmäßigen Nutzern in Malaysia hatte mehr als die Hälfte eine schwere Abhängigkeit. Leberschäden traten in Fallberichten typischerweise nach etwa drei Wochen Gebrauch auf. Die FDA warnte 2019 zudem, dass Blei und Nickel in getesteten Produkten bei langfristigem Gebrauch zu Schwermetallvergiftungen führen könnten.
Ist Mitragynin giftig?
Eine verlässliche Grenze, ab der Mitragynin gefährlich wird, gibt es nicht. Details zu Toxizität und Vergiftung: Mitragynin: Halbwertszeit, Toxizität, Struktur.
Quellen
- BfR – Mitteilung 032/2025 (2025)
- BfArM – Pressemitteilung 09/25 (2025)
- Singh et al., Drug and Alcohol Dependence 2014 (2014)
- Schimmel & Dart, Drugs 2020 (2020)
- CDC – MMWR 68(14) (2019)
- CDC – Salmonella-Ausbruch 2018 (2018)
- FDA – Schwermetalle in Kratom-Produkten (2019)
- WHO – 44th ECDD, Pre-Review Kratom (2021)